Schilddrüsenerkrankungen

Der häufigste Grund für die operative Entfernung der Schilddrüse oder Anteilen der Schilddrüse sind knotige Veränderungen, die hormonaktiv oder hormoninaktiv sein können. Hormon-inaktive Knoten können in seltenen Fällen (ca. 4%) bösartig sein und sollten deshalb operativ behandelt werden. Hormon-aktive Knoten können zur Schilddrüsenüberfunktion führen und sollten nach evt. medikamentöser Behandlung ebenfalls operativ entfernt werden. In Zusammenarbeit mit der Nuklearmedizin bieten wir neben den erforderlichen Voruntersuchungen (Schilddrüsenszintigraphie) das gesamte Spektrum der Schilddrüsenchirurgie an. Aufgrund der weiterentwickelten Operationstechnik in den letzten Jahren können die Schnitte am Hals deutlich kleiner gehalten werden, wodurch das kosmetische Ergebnis verbessert wird. Die Schnittgröße richtet sich hierbei nach der Größe des zu entfernenden Schilddrüsenanteils. Die Stimmbandlähmung durch eine Operation an der Schilddrüse ist immer noch eine gefürchtete Komplikation. Durch ein intraoperatives ElektroMyoGramm (EMG-Recurrensmonitoring) können wir den Stimmbandnerv sicherer identifizieren und während der gesamten Operation seine Funktion überprüfen. Dies gibt uns und Ihnen deutlich mehr Sicherheit bei der Operation und die Information, ob eine Stimmbandlähmung, wenn sie auftritt, nur vorrübergehend oder eventuell dauerhaft (sehr selten) anzunehmen ist. In der Tat haben wir aktuell keine andauernden Stimmbandlähmungen zu berichten.

Operationsverfahren an der Schilddrüse

Die meisten Schilddrüseneingriffe können heute über wesentlich kleinere Schnittzugänge als noch vor wenigen Jahren durchgeführt werden. Zusätzlich kommen aus der Schlüssellochchirurgie bekannte Vergrößerungssysteme, Lupenbrillen und immer kleinere Instrumente zum Einsatz. Insgesamt richtet sich die Schnittgröße nach der Größe der zu entfernenden Knoten bzw. knotig veränderten Schilddrüsenanteile. Bei der Operation bösartiger Schilddrüsentumore müssen allerdings auch wegen der ausgedehnteren Lymphknotenentfernungen etwas größere Schnitte angelegt werden. Das Schilddrüsengewebe ist überaus blutreich, zur übersichtlichen Blutstillung kommen daher heute verschiedene technische Blutgefäßversiegelungsinstrumente zur Anwendung. So operieren wir z. B. mit einer Ultraschallschere oder einem Hochfrequenzstrom-Versiegelungsinstrument. Dadurch verbleibt am Ende der Operation nur noch wenig Nahtmaterial im Hals der Patienten, auf Gefäßverschlussclips aus Titan verzichten wir weitgehend.

Schonung des Stimmbandnerven

Enorm wichtig bei einer Schilddrüsenoperation ist die Schonung der hinter der Schilddrüse verlaufenden Stimmbandnerven und die Schonung der Nebenschilddrüsen, welche für den Kalziumstoffwechsel eine große Bedeutung haben. Die Schonung dieser Strukturen erfolgt einerseits durch die Verwendung der genannten Vergrößerungsinstrumente und Lupenbrillen, zur Schonung des Stimmbandnerven (Nervus recurrens) setzen wir immer das kontinuierliche Nervenüberwachungs-Elektromyogramm (Recurrensmonitoring) ein. Damit ist es uns gelungen, die Nervenverletzungsrate deutlich zu senken, gelegentliche Funktionsstörungen des Nerven oder der zu kontrollierenden Stimmbänder haben sich in den allermeisten Fällen rasch zurückgebildet. Durch den Einsatz der beschriebenen modernen minimalinvasiven Verfahren konnte die Krankenhausaufenthaltsdauer für Schilddrüsenoperationen mehr als halbiert werden, die Erholung verläuft für die allermeisten Patienten auch nach größeren Operationen viel rascher und auch deutlich schmerzärmer. Eine Bereitstellung oder Gabe von Blutkonserven war in den letzten Jahren in keinem Fall mehr erforderlich. Die kosmetischen Ergebnisse sind für die Patienten nach Abschluss der Wundheilung deutlich zufriedenstellender.