Ergotherapie

Ein weiteres Angebot im Rahmen der multimodalen Schmerztherapie bietet die Ergotherapie. Ziel ist es, die Patienten durch gezielte Übungen zur Wiederaufnahme alltäglicher Tätigkeiten zu befähigen, z.B. bei der Selbstversorgung, Berufstätigkeit, Freizeitgestaltung. Dazu bietet die Ergotherapie verschiedene Behandlungsansätze an, bei denen eine aktive Mitarbeit des Patienten auch in Form von Eigenübungen in der therapiefreien Zeit unerlässlich ist:

Diskriminationstraining (Unterscheidungslernen)

Die Patienten lernen, Reize von Oberflächenstrukturen, Temperaturen oder Gewichten wieder zu unterscheiden.

Desensibilisierungstraining

Mit Hilfe dieser Techniken können durch Berührungen hervorgerufene Schmerzen (z.B. bei Hyperalgesie oder bei dynamischer Allodynie) reduziert werden. Durch gezielte Reize, deren Intensität behutsam gesteigert wird, kann der Patient Berührungen auf den betroffenen Hautarealen wieder ohne Schmerzreaktion tolerieren.

Spiegeltherapie

Durch eine Spiegeltherapie können Veränderungen im zentralen Nervensystem, die mit einer Schmerzerkrankung einhergehen, behandelt werden. Die Spiegeltherapie wird beispielsweise erfolgreich bei Trauma- oder Amputationsschmerz eingesetzt.

Imaginationstraining

Bei dieser Trainingsform steht die Vorstellung der eigenen Körperteile und davon, wie man sie bewegt, im Vordergrund. Sie wird vor allem bei Patienten eingesetzt, die nach einer Amputation unter Phantomschmerzen leiden.

Körperschemaschulung /Lateralisationstraining

Diese Therapie wird eingesetzt, um die Wahnehmung aller Körperteile und auch die Unterscheidung zwischen rechter und linker Körperseite zu fördern. Eine Erkrankung, bei der das Training angewandt wird, ist das CRPS (complexe regional pain syndrom, ehemals als Sudecksche Erkrankung bezeichnet).

Schmerzmanagementstrategien

Mit Hilfe des "pacing", eines schrittweise Steigerns der Belastung in Alltagssituationen, kann der Patient seine Leistungsfähigkeit unter Berücksichtigung der Schmerzgrenze erhöhen. Außerdem lernt der Patient, durch Information über schmerzphysiologische Zusammenhänge sein eigenes Schmerzempfinden neu einzuordnen und mit eventuellen kurzfristigen Rückschlägen umzugehen. Auch wenn der Schmerz vielleicht zwischenzeitlich wieder aufflackert, so ist es auf diese Weise möglich, das eigene Leben wieder aktiv zu gestalten und Lebensqualität zu gewinnen.